Die Algarve ist der südlichste Landstrich Portugals: eine lange Küste zwischen der spanischen Grenze und dem Kap São Vicente, mit ockerfarbenen Felsbuchten im Westen und flachen Lagunen- und Inselstränden im Osten. Dazu kommen maurisch geprägte Kleinstädte im Hinterland, Fischmärkte, auf Holzkohle gegrilltes Hähnchen und ein Klima, das auch im Frühling und Herbst angenehme Strandtage erlaubt. Mit etwa drei Stunden Flugzeit und dem Flughafen Faro mitten in der Region ist die Algarve eines der am einfachsten erreichbaren Sonnenziele für Reisende aus Deutschland.
Beste Reisezeit
Die angenehmste Zeit liegt zwischen Mai und Juni sowie September und Anfang Oktober. Dann erreichen die Tageshöchstwerte etwa 23 bis 27 °C, Regen gibt es kaum (ein bis zwei Regentage im Monat) und die Strände sind deutlich leerer als im Hochsommer. Der September ist ein guter Kompromiss: noch sommerlich warm, aber nach dem Ende der Sommerferien ruhiger.
Juli und August sind mit rund 29 °C und praktisch ohne Regentage die heißesten und trockensten Monate. Gleichzeitig ist das die Hochsaison mit vollen Stränden, knappen Parkplätzen und den höchsten Preisen für Unterkünfte und Mietwagen. Wer in dieser Zeit reist, sollte Unterkunft, Auto und Bootstouren früh buchen.
November bis März ist mild, aber wechselhaft: Die Höchstwerte liegen bei etwa 16 bis 19 °C, dafür fallen fünf bis sechs Regentage pro Monat. Für Wanderungen, Städtetouren und Golf ist das eine gute Zeit, für einen Badeurlaub eher nicht. Außerdem fahren im Winter weniger Busse, und Bootstouren finden wetterabhängig seltener statt. Extreme Wetterrisiken wie Monsun oder Hurrikane gibt es an der Algarve nicht.
Anreise & unterwegs vor Ort
Der Flughafen Faro (FAO) liegt wenige Kilometer westlich der Stadt Faro. Ins Stadtzentrum und zum Bahnhof fährt der Stadtbus Linie 16 in etwa 20 Minuten, das Ticket kostet ca. 2–3 € (Stand 2026, Angaben schwanken je nach Quelle und Kaufart). Richtung Westen verkehrt der Aerobus (Linie 56) über Albufeira, Lagoa und Portimão bis Lagos: nach Albufeira ca. 11 €, bis Lagos ca. 17 € (Stand 2026). Im Sommer (Mai–Oktober) gibt es etwa sieben Abfahrten täglich, im Winter nur rund drei.
Die Regionalbahn verbindet Lagos im Westen mit Vila Real de Santo António an der spanischen Grenze. Faro–Lagos dauert etwa 1:45 Std. und kostet ca. 8 € (Stand 2026). Achtung: Einige Bahnhöfe liegen weit außerhalb der Orte, der Bahnhof von Albufeira etwa sieben Kilometer nördlich im Ortsteil Ferreiras.
Uber und Bolt funktionieren an der Algarve gut. Vom Flughafen nach Albufeira werden ca. 30 € genannt, zur Hauptverkehrszeit kann der Preis deutlich steigen. Ein reguläres Taxi nach Albufeira ist teurer; nachts und am Wochenende gelten Zuschläge. Vorab gebuchte Privattransfers kosten nach Albufeira grob 50–60 €, nach Lagos ca. 80–90 € (Stand 2026).
Für Ausflüge zu Buchten, ins Hinterland oder an die Westküste ist ein Mietwagen meist die flexibelste Lösung. Eine gute Nachricht: Seit dem 1. Januar 2025 ist die Küstenautobahn A22 (Via do Infante) mautfrei, die früher lästige elektronische Mautregistrierung entfällt dort also. Auf anderen portugiesischen Autobahnen kann weiterhin Maut anfallen.
Die schönsten Orte & Sehenswürdigkeiten
- Ponta da Piedade (Lagos): Bis zu 20 Meter hohe goldgelbe Felsen, Bögen und Grotten südlich von Lagos, dazu ein Leuchtturm von 1913. Die Grotten sieht man am besten vom Wasser aus bei einer Boots- oder Kajaktour. Am frühen Morgen oder zum Sonnenuntergang ist das Licht am schönsten.
- Praia da Marinha (Lagoa): Eine der bekanntesten Buchten Portugals, eingerahmt von orangefarbenen Kalksteinklippen. Der Abstieg zum Strand ist steil. Hier beginnt auch der Küstenwanderweg der Sieben hängenden Täler (Percurso dos Sete Vales Suspensos).
- Benagil-Höhle: Die Grotte mit dem kreisrunden Loch in der Decke ist das bekannteste Fotomotiv der Region. Seit Sommer 2024 gelten strenge Regeln: Hineinschwimmen und das Anlanden am Höhlenstrand sind verboten, Boote dürfen nur in begrenzter Zahl und für wenige Minuten hinein, Kajak- und SUP-Touren sind nur mit lizenziertem Guide erlaubt. Tipp: morgens fahren, dann ist das Meer oft ruhiger und es ist weniger Betrieb.
- Wanderweg der Sieben hängenden Täler: Der rund 5,7 Kilometer lange Klippenpfad (einfach) beginnt an der Praia da Marinha und führt oben am Deckenloch der Benagil-Höhle vorbei. Für die Strecke solltest du zwei bis drei Stunden einplanen, im Sommer am besten früh starten.
- Fortaleza de Sagres: Die Festung auf einer Landzunge ganz im Südwesten wird mit Heinrich dem Seefahrer verbunden und zählt zu den meistbesuchten Monumenten der Algarve. Eintritt ca. 10 € für Erwachsene, Kinder unter 12 frei (Stand 2025). Geöffnet ist von Mai bis September länger (bis 20 Uhr) als im Winter (bis 17:30 Uhr).
- Cabo de São Vicente: Rund sechs Kilometer von Sagres entfernt liegt der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands, mit einem Leuchtturm auf fast senkrecht abfallenden Klippen. Zum Sonnenuntergang ist es dort sehr voll, eine Jacke ist wegen des Windes fast immer sinnvoll.
- Burg von Silves: Die Festung aus rotem Sandstein gilt als eine der am besten erhaltenen maurischen Befestigungsanlagen Portugals und ist ein guter Ausflug ins Hinterland, wenn es am Strand zu heiß oder zu voll ist.
Essen & Trinken
Die Küche der Algarve lebt vom Meer. Typisch sind gegrillte Sardinen (vor allem im Sommer), die Cataplana, ein Eintopf aus Fisch, Muscheln oder Fleisch, der in einer kupfernen Muschelpfanne geschmort und meist für zwei Personen serviert wird, sowie Bacalhau in vielen Varianten. Ein weiterer Klassiker ist Frango Piri-Piri, scharf mariniertes Hähnchen vom Holzkohlegrill. Als Digestif wird gern Medronho gereicht, ein Obstbrand aus den Früchten des Erdbeerbaums, der vor allem aus der Serra de Monchique stammt.
- Guia bei Albufeira ist die Hochburg des Piri-Piri-Hähnchens. Das Restaurante Ramires gibt es seit 1964, man isst dort für ca. 15–20 € pro Person (Stand 2026). Im Juli und August werden keine Reservierungen angenommen, am besten kommst du direkt zur Öffnung.
- Markt von Olhão: Die beiden Markthallen an der Uferpromenade sind aufgeteilt in Fisch sowie Obst und Gemüse, ein guter Ort, um den Fang des Tages und regionale Produkte zu sehen.
- Markthalle von Loulé: Das Marktgebäude im arabisch inspirierten Stil prägt die Innenstadt und bietet Obst, Gemüse, Käse, Fisch und regionale Spezialitäten.
Beachte das Couvert: Brot, Oliven oder Butter, die unbestellt auf den Tisch kommen, werden berechnet, wenn du davon isst. Du kannst sie einfach zurückgehen lassen.
Geheimtipps & was Reisende empfehlen
- In Reiseblogs wird für Benagil immer wieder empfohlen, früh zu kommen: Die Parkplätze im Dorf sind knapp, und morgens ist das Meer meist ruhiger. Viele Berichte sehen die neuen Regeln positiv, weil es seitdem weniger chaotisch zugeht.
- Für die Anreise raten mehrere Reiseportale, Uber oder Bolt schon vor dem Abflug zu installieren; am Flughafen gibt es kostenloses WLAN. In der Nebensaison, wenn der Aerobus selten fährt, gilt der Zug als gute Alternative Richtung Westen.
- Bei klassischen Taxis wird empfohlen, vor der Fahrt einen Preis zu vereinbaren oder darauf zu achten, dass das Taxameter läuft.
- Für das Piri-Piri-Hähnchen in Guia wird geraten, direkt zu Öffnungsbeginn mittags oder abends zu erscheinen, weil sich sonst lange Schlangen bilden.
Kosten & Budget
Die Algarve ist günstiger als viele Mittelmeerziele, in der Hochsaison steigen die Preise aber deutlich. Richtwerte (Stand 2025/2026):
- Essen: Piri-Piri-Hähnchen in einem bekannten Grillrestaurant ca. 15–20 € pro Person, einfache Lokale teils günstiger.
- Transport: Stadtbus Flughafen–Faro ca. 2–3 €, Aerobus nach Albufeira ca. 11 €, Zug Faro–Lagos ca. 8 €, Uber Flughafen–Albufeira ab ca. 30 €.
- Eintritte: Fortaleza de Sagres ca. 10 €, Bootstouren zu den Grotten je nach Dauer und Startort meist im mittleren zweistelligen Bereich.
- Touristensteuer: Mehrere Gemeinden, darunter Albufeira, Faro, Lagoa, Loulé, Olhão und Portimão, erheben in der Saison bis zu 2 € pro Person und Nacht, meist für höchstens sieben Nächte und erst ab 13 Jahren. In der Nebensaison ist der Satz in manchen Orten niedriger.
- Unterkunft: Von Pensionen bis zu Resorts und Villen; Juli und August sind am teuersten, Frühjahr und Herbst spürbar günstiger.
Praktische Tipps
- Geld & Karte: Bezahlt wird in Euro. Karten werden meist akzeptiert, kleine Lokale bevorzugen teils Bargeld. Geldautomaten heißen Multibanco.
- Trinkgeld: Nicht verpflichtend. Bei gutem Service im Restaurant sind etwa 8–10 % üblich, im Taxi rundet man auf.
- Strom: 230 Volt, Steckdosen wie in Deutschland (Schuko/Eurostecker), ein Adapter ist nicht nötig.
- Internet: Als EU-Land gilt Roaming zu Inlandskonditionen.
- Kleidung: Leichte Sommerkleidung, aber auch im Sommer eine Jacke für windige Abende an der Westküste und am Kap. Gute Schuhe für Klippenwege und steile Strandabgänge.
- Sicherheit: Die Algarve gilt allgemein als sicheres Reiseziel. Achte auf Taschendiebe an belebten Orten, auf Warnflaggen am Strand und halte an Klippen Abstand zur Kante. Der Notruf ist 112. Aktuelle Sicherheits- und Einreisehinweise findest du beim Auswärtigen Amt.
Fazit
Die Algarve ist ideal für alle, die Strandurlaub mit spektakulärer Felsküste, einfachen Wanderungen und gutem, bodenständigem Essen verbinden möchten, und das bei kurzer Flugzeit. Familien und Paare finden im Frühsommer und Frühherbst die besten Bedingungen, Wanderer und Ruhesuchende auch im milden Winter. Nur im Juli und August solltest du mit vollen Stränden und hohen Preisen rechnen.
