Madeira gehört zu Portugal, liegt aber mitten im Atlantik – näher an der afrikanischen Küste als an der Algarve. Die Insel ist steil, grün und vulkanisch: Im Zentrum ragen der Pico do Areeiro und der Pico Ruivo, der höchste Punkt der Insel, über die Wolken, und durch die Berge ziehen sich Hunderte Kilometer Levadas. Diese historischen Bewässerungskanäle brachten Wasser vom feuchten Norden in den trockeneren Süden, heute laufen an ihnen Wanderwege entlang. Dazu kommen der alte Lorbeerwald (Laurissilva), Naturschwimmbecken aus Lavagestein, tropische Früchte, Madeirawein und die lebendige Hauptstadt Funchal. Wer wandern, gut essen und ganzjährig mildes Wetter genießen will, ist hier richtig – Sandstrand-Urlauber dagegen weniger.
Beste Reisezeit
Madeira ist ein Ganzjahresziel. Die Tageshöchstwerte liegen im Winter bei etwa 19–20 °C und steigen bis August/September auf rund 26 °C. Von Juni bis September regnet es kaum (0–2 Regentage im Monat), zwischen Oktober und Januar musst du dagegen mit 6–8 Regentagen rechnen. Der Norden der Insel ist deutlich feuchter als die Südküste um Funchal.
- Ideal: Mai bis Juni sowie September bis Oktober – warm, meist trocken, und im September ist das Meer am wärmsten.
- Hochsommer: Juli und August sind am sonnigsten, der August gilt aber als besonders voll. Wer Ruhe sucht, weicht auf andere Monate aus.
- Winter: Mit rund 19 °C tagsüber angenehm für Stadt und Küste, aber regenreicher – vor allem zwischen November und Februar.
In den Bergen ist es immer kühler als an der Küste, oft windig und neblig; eine warme Schicht und Regenjacke gehören auch im Sommer ins Gepäck.
Anreise & unterwegs vor Ort
Direktflüge ab Deutschland brauchen etwa 4 Stunden, die Uhr stellst du eine Stunde zurück. Der Flughafen Cristiano Ronaldo (FNC) liegt östlich von Funchal, die Fahrt ins Zentrum dauert etwa 20–25 Minuten. Du hast die Wahl zwischen Aerobus, Linienbus, Taxi, vorbestelltem Transfer oder Mietwagen; auch Uber und Bolt sind auf der Insel aktiv.
Busse: In Funchal und Umgebung fahren die orangefarbenen Busse von Horários do Funchal, das Netz von SIGA deckt die ganze Insel ab. Eine Einzelfahrt im Stadtbus kostet ca. 2 € (Stand 2025); mit der aufladbaren Giro-Karte wird es günstiger als mit dem Bordticket.
Zum Pico do Areeiro: Horários do Funchal bietet eine eigene Linie ab der Seilbahn-Talstation in Funchal an (Hinfahrten 6:00 und 13:30 Uhr, Rückfahrten 12:15 und 19:00 Uhr im Sommerfahrplan bis 24.10.2026). Das Ticket kostet 3 € pro Fahrt und gibt es nur im Bus (Stand 2026). Ein Shuttle für 1,20 € verbindet die Parkplätze unterhalb des Gipfels.
Mietwagen: Für abgelegene Wanderstarts und Strände ist ein Auto praktisch fast unverzichtbar. Die Schnellstraßen sind gut ausgebaut, die übrigen Straßen aber eng, steil und kurvig. Ein Automatikwagen kostet mehr, lohnt sich auf den Bergstrecken aber. Mietwagenfirmen haben Schalter direkt am Flughafen, die Preise sind allerdings eher hoch.
Die schönsten Orte & Sehenswürdigkeiten
- Funchal & Seilbahn nach Monte: Die Seilbahn fährt von der Altstadt hinauf nach Monte, täglich 8:45–17:45 Uhr (außer 25.12.). Einfach 16 €, hin und zurück 22 €; Kinder 7–14 zahlen die Hälfte, bis 6 Jahre gratis (Stand 2026).
- Korbschlitten (Carros de Cesto): Von Monte geht es auf rund 2 Kilometern Straße in Weidenkörben bergab, gesteuert von zwei Schlittenfahrern. 30 € für eine Person, 40 € für zwei, 60 € für drei (Stand 2026), Montag bis Samstag 9–18 Uhr.
- Pico do Areeiro & Pico Ruivo: Vom 1.818 Meter hohen Areeiro führt der PR1 hinüber zum Pico Ruivo, oft oberhalb der Wolkendecke. Laut Forstbehörde IFCN ist der Weg seit dem 1. Mai 2026 wieder komplett offen, einzelne Abschnitte waren wegen Bauarbeiten zeitweise nur am Wochenende begehbar – den aktuellen Status unbedingt vorab prüfen. Kürzer ist der Zustieg zum Pico Ruivo über den PR1.2 ab Achada do Teixeira. Eine Buslinie fährt frühmorgens ab Funchal hinauf zum Areeiro (siehe oben).
- Cabo Girão: Mit 580 Metern gilt die Steilklippe westlich von Funchal als höchstes Kap Europas; von der frei schwebenden Glasplattform blickst du senkrecht aufs Meer.
- Levada-Wanderungen: Beliebt sind der Levada do Caldeirão Verde (rund 11,8 km hin und zurück, mit Wasserfall) und die trockene, felsige Ponta de São Lourenço im Osten (ca. 7,2 km hin und zurück).
- Porto Moniz: Die bekanntesten Naturschwimmbecken der Insel liegen im Nordwesten zwischen Lavafelsen. Mit Umkleiden, Toiletten und Geländern sind sie stark ausgebaut; die Becken von Cachalote sind naturbelassener und kostenlos.
- Doca do Cavacas & Seixal: Am Westrand von Funchal liegt die spektakulär gelegene Badeanlage Doca do Cavacas mit Lavabecken direkt am Meer; an der Nordküste sind die Becken von Seixal eine kostenlose, naturnahe Alternative.
Essen & Trinken
Das Nationalgericht ist die Espetada: Rindfleischstücke mit Knoblauch und Lorbeer, gegrillt am Lorbeerzweig oder Metallspieß und hängend serviert. Dazu gibt es Bolo do Caco (Fladenbrot mit Süßkartoffel und Knoblauchbutter) und Milho frito (frittierte Maisgrieß-Würfel). Weitere Klassiker sind Espada (schwarzer Degenfisch), gegrillte Lapas (Napfschnecken) und Carne de vinha d'alhos, in Wein und Knoblauch eingelegtes Fleisch. Süß wird es mit Bolo de Mel, einem dunklen Kuchen mit Zuckerrohrmelasse und Gewürzen.
Getrunken wird Poncha aus Zuckerrohrschnaps, Zitrusfrucht und Honig oder Zucker – ein Klassiker ist die Taberna da Poncha in Serra de Água. Madeirawein probierst du in Funchal etwa in der Blandy's Wine Lodge im ehemaligen Franziskanerkloster (Firmengeschichte seit 1811), bei HM Borges oder Barbeito.
Gute Adressen:
- Mercado dos Lavradores: die historische Markthalle mit Obst, Gemüse und separater Fischhalle, rundherum Cafés und Konditoreien; sonntags geschlossen.
- Peixaria no Mercado: Fisch und Meeresfrüchte direkt an der Fischauktion des Marktes.
- Casa das Espetadas: traditionelle madeirensische Küche mit Holzofen an der Estrada Monumental.
- Il Gallo d'Oro: für einen besonderen Abend, mit zwei Michelin-Sternen.
Das Preisniveau ist moderat: Ein Abendessen für zwei liegt bei etwa 40 €, ein Kaffee bei 0,80 €, eine Poncha bei ca. 2,50 € (Stand 2025).
Geheimtipps & was Reisende empfehlen
- Sonntagsmarkt in Santo António da Serra: Frühmorgens verkaufen Bauern tropische Früchte, Honig und Gebäck; an einem Grillstand kannst du deine Espetada selbst zubereiten.
- Wanderwege vorher prüfen: Levadas unterscheiden sich stark in Zustand und Schwierigkeit. Die Website und App WalkMe sowie die Statuskarte der Forstbehörde zeigen, welche Wege offen sind.
- Badeschuhe einpacken: Die meisten Strände auf Madeira bestehen aus runden Steinen. Wer Sand will, fährt zu den aufgeschütteten Stränden von Calheta oder Machico oder mit der Fähre nach Porto Santo, wo ein mehrere Kilometer langer Sandstrand wartet.
- Seilbahnen zu den Fajãs: Im Nordwesten führt die steile Seilbahn von Achadas da Cruz in rund 5 Minuten zu einem ruhigen Küstenstreifen, eine weitere Bahn fährt hinunter zur Fajã dos Padres.
- Vorsicht am Markt: In Reiseführern wird berichtet, dass einzelne Händler in der Markthalle Touristen überteuerte oder überreife Früchte verkaufen. Preis pro Kilo vorher erfragen.
Kosten & Budget
Unterkünfte sind vergleichsweise teuer, Essen und Trinken dagegen preiswert. Richtwerte:
- Unterkunft: Hostelbett ab ca. 60 €, einfaches Doppelzimmer ab ca. 190 €, Apartment ab ca. 200 € pro Nacht (Stand 2025)
- Essen: Abendessen für zwei ca. 40 €, Sandwich ca. 1,50 € (Stand 2025)
- Transport: Stadtbus ca. 2 €, Bus zum Pico do Areeiro 3 € pro Fahrt (Stand 2026)
- Eintritte: Seilbahn Monte 16 € einfach / 22 € hin und zurück, Korbschlitten 30 € für eine Person (Stand 2026)
- Wandergebühr: Für klassifizierte Wege gilt 2026 eine Gebühr von 4,50 € pro Weg; der komplette PR1 bis zum Pico Ruivo kostet 10,50 €. Tageskombis gibt es für 9 €, 3 Tage für 22,50 € und 7 Tage für 52,50 € (ohne PR1). Kinder bis 12 Jahre zahlen nichts, müssen aber registriert werden.
Mit Mittelklasse-Hotel, Restaurantbesuchen und Mietwagenanteil solltest du mit etwa 130–180 € pro Person und Tag rechnen.
Praktische Tipps
- Wanderweg-Reservierung: Für die klassifizierten Wege buchst du online über das Portal SIMplifica ein Zeitfenster. Kurzfristig geht das, solange Plätze frei sind. Bei Regen oder persönlicher Absage gibt es kein Geld zurück, nur bei offizieller Sperrung.
- Geld & Karte: Geldautomaten mit der Aufschrift „Multibanco“ sind verbreitet und meist ohne Zusatzgebühr des Betreibers; Euronet-Automaten meiden, da teuer.
- Trinkgeld: Nicht verpflichtet, bei gutem Service sind im Restaurant etwa 8–10 % üblich; beim Taxi rundet man auf.
- Strom: 230 Volt, Steckdosen vom Typ C und F – deutsche Stecker passen.
- Internet: Als EU-Region gilt Roaming zu Inlandskonditionen, eine eSIM ist nicht nötig.
- Sicherheit: Der europäische Notruf ist 112. Unterschätze eher das Gelände: Wetter in den Bergen kann schnell umschlagen, Wege können gesperrt sein. Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise findest du beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de.
- Einreise: Für Deutsche genügt als EU-Bürger ein gültiger Personalausweis; aktuelle Regeln beim Auswärtigen Amt prüfen.
Fazit
Madeira ist ideal für aktive Reisende, die wandern, Aussichten sammeln und abends gut essen wollen – und für alle, die im Winter milde Temperaturen suchen. Paare und Naturfans kommen voll auf ihre Kosten, Familien finden mit Seilbahn, Korbschlitten und Naturbecken viel Abwechslung. Wer vor allem lange Sandstrände und Party sucht, ist auf Porto Santo oder anderswo besser aufgehoben.
