Island ist eine Insel im Umbau: Auf dem Mittelatlantischen Rücken driften zwei Kontinentalplatten auseinander, Geysire schießen im Minutentakt Wasser in die Luft, und auf der Halbinsel Reykjanes ist seit 2021 immer wieder Lava ausgetreten. Ausgangspunkt fast jeder Reise ist Reykjavík, die kleine, bunte Hauptstadt mit Hallgrímskirkja, Hafen und einer lebendigen Café-Szene. Von hier erreichst du in Tagesetappen den Golden Circle, die Wasserfälle und schwarzen Strände der Südküste, Gletscher und die Thermalbäder, für die das Land berühmt ist. Im Winter kommen die Nordlichter dazu, im Sommer die hellen Nächte.
Beste Reisezeit
Für Rundfahrten und Wanderungen sind Juni bis August am besten: Die Höchstwerte liegen dann bei etwa 12–14 °C, und mit rund 11–12 Regentagen pro Monat ist es die vergleichsweise trockenste Zeit. Gleichzeitig ist das die Hochsaison mit den höchsten Preisen und vollen Parkplätzen an den bekannten Stopps. Mai und September sind gute Kompromisse mit 10–11 °C, weniger Andrang und etwas günstigeren Unterkünften.
Für Nordlichter brauchst du Dunkelheit, also die Monate von etwa September bis März. Dann liegen die Höchstwerte nur bei 3–7 °C, und an rund 14–15 Tagen im Monat regnet oder schneit es. Entscheidend ist neben der Sonnenaktivität vor allem ein wolkenarmer Himmel: Der isländische Wetterdienst veröffentlicht auf vedur.is eine Polarlicht-Vorhersage mit Aktivitätsskala und Wolkenkarte. Wirklich meiden musst du keinen Monat, aber zwischen November und Februar sind die Tage sehr kurz, und Stürme können Straßen kurzfristig sperren.
Anreise & unterwegs vor Ort
Direktflüge aus Deutschland landen am Flughafen Keflavík (KEF), die Flugzeit beträgt rund 3,5–4 Stunden. Der Flughafen liegt knapp 50 km von Reykjavík entfernt. Der Flybus fährt in etwa 45 Minuten ins Zentrum, der einfache Fahrpreis beginnt bei rund 3.999 ISK, also etwa 28 € (Stand 2026); gegen Aufpreis gibt es Hoteltransfers. Bei verspäteten Flügen garantiert der Anbieter einen Platz im nächsten Bus.
Reykjavíks Zentrum erkundest du bequem zu Fuß. Für den Golden Circle und die Südküste ist ein Mietwagen am flexibelsten; alternativ gibt es zahlreiche geführte Tagestouren ab Reykjavík. Ein Kleinwagen kostet ab etwa 150 € pro Tag, Benzin rund 1,50–1,90 € pro Liter (Stand 2026). Im Winter ist ein Allradwagen empfehlenswert. Aktuelle Straßenzustände und Sperrungen meldet die Straßenbehörde auf umferdin.is, Wetterwarnungen findest du bei vedur.is und safetravel.is.
Die schönsten Orte & Sehenswürdigkeiten
- Hallgrímskirkja: Die 74,5 m hohe Kirche ist Reykjavíks Wahrzeichen; ein Aufzug bringt dich zur Aussichtsplattform im Turm. Im Sommer 2026 ist sie täglich ab 9 Uhr geöffnet, bei Gottesdiensten und Konzerten ist der Zugang eingeschränkt.
- Þingvellir-Nationalpark: Rund 40 km nordöstlich der Hauptstadt tagte ab dem Jahr 930 das Althing, heute UNESCO-Welterbe. Du läufst durch die Schlucht Almannagjá zwischen den Kontinentalplatten; in der Silfra-Spalte kann man mit Anbieter schnorcheln und tauchen. Die Parkplätze nahe den Hauptattraktionen sind gebührenpflichtig.
- Geysir-Gebiet und Strokkur: Der große Geysir ist meist ruhig, dafür bricht Strokkur etwa alle 6–10 Minuten aus und schießt das Wasser 15–20 m hoch. Bleib hinter den Absperrungen, das Wasser ist kochend heiß.
- Gullfoss: Die Hvítá stürzt in zwei Stufen insgesamt 32 m in eine enge Schlucht. Im Sommer fließt deutlich mehr Wasser als im Winter, dafür wirkt der Fall mit Eis besonders eindrucksvoll.
- Seljalandsfoss und Skógafoss: Hinter den 60 m hohen Seljalandsfoss kannst du auf einem Pfad gehen – Regenjacke einpacken. Am ebenfalls 60 m hohen Skógafoss führt eine Treppe mit 527 Stufen hinauf zum Beginn des Fimmvörðuháls-Wegs.
- Reynisfjara bei Vík: Schwarzer Sand, Basaltsäulen und die Felsnadeln Reynisdrangar machen den Strand zum Fotomotiv. Er ist aber gefährlich: Unberechenbare „Sneaker Waves“ haben mehrfach Menschen ins Meer gezogen. Ein Warnlichtsystem zeigt die Gefahrenstufe an, halte großen Abstand zum Wasser.
- Jökulsárlón und Diamond Beach: In der Gletscherlagune am Rand des Vatnajökull treiben Eisberge, am benachbarten Strand liegen Eisbrocken auf schwarzem Sand. Die Lagune liegt rund 75 km westlich von Höfn und ist ab Reykjavík nur mit Übernachtung sinnvoll.
- Thermalbäder: Die Blue Lagoon liegt etwa 20 Minuten vom Flughafen entfernt und passt gut zum Ankunfts- oder Abflugtag. Zeitfenster solltest du im Voraus buchen, sie sind besonders im Sommer oft ausgebucht. Die Sky Lagoon liegt am Stadtrand von Reykjavík direkt am Meer.
Essen & Trinken
Die isländische Küche setzt auf Fisch, Lamm und Milchprodukte wie Skyr. Ein Klassiker ist der Hotdog mit Lammanteil: An der Bude Bæjarins Beztu Pylsur (seit 1937) bestellst du „eina með öllu“, also mit Ketchup, süßem Senf, Remoulade, Röstzwiebeln und rohen Zwiebeln.
Am alten Hafen liegt Kaffivagninn, das seit 1935 besteht und als ältestes Restaurant Islands gilt. Auf der Karte stehen Tagesfang, Fischsuppe und isländische Klassiker, geöffnet ist täglich ab 8 Uhr. In der Hlemmur Mathöll, einer Markthalle im ehemaligen Busbahnhof am Ende der Laugavegur, findest du viele Stände unter einem Dach, von Pizza bis Streetfood – praktisch für Gruppen mit unterschiedlichem Geschmack.
Das Preisniveau ist hoch: Ein einfaches Essen kostet etwa 15–40 €, ein Bier (0,5 l) im Lokal 7–12 € (Stand 2026). Viele Bars bieten Happy Hours an. Leitungswasser hat Trinkwasserqualität und ist kostenlos.
Geheimtipps & was Reisende empfehlen
- Öffentliche Schwimmbäder statt teurer Lagune: Reiseblogs empfehlen immer wieder die städtischen Bäder wie Sundhöllin (das älteste Bad der Stadt, von 1937), Laugardalslaug oder Vesturbæjarlaug, das bei Einheimischen besonders beliebt ist. Der Eintritt liegt bei rund 9 € (Stand 2026). Wichtig: Vor dem Baden duschst du gründlich ohne Badekleidung – das ist Pflicht und wird ernst genommen.
- Günstigere Lagunen: Wer die Blue Lagoon zu teuer findet, weicht laut Erfahrungsberichten auf kleinere Bäder aus. Die Secret Lagoon im Süden kostete Anfang 2026 etwa 4.500 ISK und ist schlichter, aber deutlich ruhiger.
- Nicht jeden Abend nach Reykjavík zurück: In Blogs wird oft geraten, unterwegs zu übernachten, etwa in Selfoss nach dem Golden Circle, und dann Richtung Vík weiterzufahren. Das entspannt die Tage und schafft Puffer für schlechtes Wetter.
- Gegen den Strom fahren: Tourbusse starten meist gegen 8 Uhr in Reykjavík. Wer früher losfährt oder den Golden Circle in umgekehrter Richtung abfährt, hat die Stopps oft ruhiger.
- Wetter ernst nehmen: Viele Reisende berichten, dass sich Bedingungen innerhalb von Stunden ändern. Hinterlege bei längeren Touren einen Reiseplan bei safetravel.is.
Kosten & Budget
- Essen: Hotdog oder Suppe ab ca. 5–20 €, Hauptgericht im Restaurant ca. 30–60 €, Cappuccino ca. 3–6 € (Stand 2026). Selbstversorgung aus dem Supermarkt spart viel Geld.
- Transport: Flybus ca. 28 € pro Strecke, Mietwagen ab ca. 150 € pro Tag, Benzin ca. 1,50–1,90 € pro Liter (Stand 2026).
- Eintritte: Blue Lagoon (Comfort) ca. 70–110 € je nach Datum und Uhrzeit, Sky Lagoon um 100 €, städtisches Schwimmbad ca. 9 € (Stand 2026). Viele Naturziele sind frei, verlangen aber Parkgebühren.
- Unterkunft: einfaches Hotel oder Gästehaus ca. 90–210 €, gehobenes Hotel im Zentrum ca. 210–650 € pro Nacht (Stand 2026). In der Hochsaison früh buchen.
Praktische Tipps
- Geld & Karte: Island ist nahezu bargeldlos, Visa und Mastercard funktionieren fast überall, Apple Pay und Google Pay ebenfalls weit verbreitet. An Tankstellen brauchst du deine PIN, außerdem wird dort vorübergehend ein höherer Betrag reserviert.
- Trinkgeld: Es wird nicht erwartet, der Service ist im Preis enthalten. Bei einer besonders guten Tour ist ein kleiner Betrag eine nette Geste.
- Kleidung: Auch im Sommer brauchst du wind- und wasserdichte Jacke, warme Zwischenschichten und feste Schuhe. Badesachen gehören immer ins Gepäck.
- Strom: Steckdosen vom Typ C/F mit 230 V – deutsche Stecker passen ohne Adapter.
- Zeit: Island bleibt ganzjährig auf UTC, also eine Stunde hinter Deutschland im Winter und zwei im Sommer.
- Internet: Das Mobilfunknetz ist gut ausgebaut. Da Island zum EWR gehört, gelten für EU-Tarife in der Regel die Roaming-Regeln – prüfe das vorab bei deinem Anbieter.
- Sicherheit & Einreise: Notruf ist 112. Informiere dich vor und während der Reise bei safetravel.is über Vulkan-, Wetter- und Straßenwarnungen; auf Reykjanes ist nach der Eruption im Sommer 2025 weiterhin mit Aktivität zu rechnen. Aktuelle Einreise- und Sicherheitshinweise findest du beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit.
Fazit
Island ist ideal für alle, die Natur in ihrer ursprünglichsten Form erleben wollen und dafür wechselhaftes Wetter und hohe Preise in Kauf nehmen. Mit Reykjavík als Basis schaffst du den Golden Circle und die Thermalbäder in wenigen Tagen; für Südküste und Gletscher solltest du Übernachtungen unterwegs einplanen. Im Sommer lockt Mitternachtslicht zum Wandern und Fahren, im Winter sind Nordlichter und verschneite Wasserfälle der Grund für die Reise.
