Zermatt liegt auf rund 1600 Metern am Ende des Mattertals im Wallis, direkt zu Füßen des 4478 Meter hohen Matterhorns. Das Dorf ist seit 1931 für Verbrennungsmotoren gesperrt: Statt Autos surren kleine Elektrotaxis und E-Busse durch die Gassen, was dem Ort trotz vieler Gäste eine erstaunliche Ruhe gibt. Von hier aus erreichst du mit Zahnradbahn, Standseilbahn und Gondeln einige der spektakulärsten Aussichtspunkte der Alpen, im Winter eines der größten Skigebiete Europas und im Sommer ein dichtes Netz an Wanderwegen mit Bergseen, in denen sich der berühmteste Gipfel der Schweiz spiegelt.
Beste Reisezeit
Zermatt hat zwei klare Hauptsaisons. Für Wintersport sind Dezember bis April ideal: Die Höchstwerte im Dorf liegen dann nur bei etwa 0 bis 4 °C, mit rund 8 bis 10 Regen- bzw. Schneetagen pro Monat. Oben am Gletscher ist es deutlich kälter. Die offizielle Wintersaison der Bergbahnen läuft 2026/27 von Anfang November bis Anfang Mai; die günstigsten Skipass-Tage liegen laut Bergbahnen Ende November und in der zweiten Aprilhälfte. In Skiforen wird der April gern empfohlen, weil die Tage länger und wärmer sind und meist noch viel Schnee liegt.
Zum Wandern eignen sich Juli bis September am besten. Im Juli und August erreichen die Höchstwerte etwa 19 bis 20 °C, allerdings gibt es mit 12 bis 13 Regentagen im Monat häufiger Gewitter am Nachmittag. Der September ist mit rund 15 °C und nur etwa 9 Regentagen oft der angenehmste Wandermonat. Der 5-Seenweg ist laut Bergbahnen von Juni bis September begehbar.
Meiden solltest du die Zwischensaison im Mai und im Oktober/November, wenn es für Wintersport und hochalpines Wandern gleichermaßen ungünstig sein kann: Viele Bergrestaurants schließen dann, etwa das Chez Vrony (Sommersaison 2026 bis 11. Oktober) oder der Findlerhof (bis 4. Oktober 2026). Die Preise für Bergbahnen sind im Hochsommer (Juli/August) am höchsten.
Anreise & unterwegs vor Ort
Der nächste große Flughafen ist Zürich (ZRH), ab Deutschland rund eine Stunde Flugzeit. Direkt am Flughafen steigst du in den Zug; mit einem Umstieg in Visp dauert die Fahrt nach Zermatt etwa 3,5 Stunden, ein Ticket kostet ab ca. 134 CHF (ca. 145 €, Stand 2026). Alle zwei Stunden fährt ein direkter Zug vom Flughafen bis Visp. Alternativ kannst du nach Genf fliegen und ebenfalls per Bahn über Visp anreisen. Auch die Bahnanreise aus Deutschland ist gut möglich, etwa über Basel und Bern ins Wallis. Ab Visp fährt die Matterhorn Gotthard Bahn im Halbstundentakt hinauf nach Zermatt. Wer es gemütlich mag, kombiniert die Reise mit dem Glacier Express, der Zermatt mit St. Moritz verbindet.
Mit dem Auto kommst du nur bis Täsch. Dort parkst du im überdachten Parkhaus Matterhorn Terminal und nimmst den Shuttlezug, der alle 20 Minuten fährt und 12 Minuten braucht. Gepäckwagen dürfen mit in den Zug.
Im Dorf selbst ist fast alles zu Fuß erreichbar. Für Gepäck oder die Talstationen gibt es Elektrotaxis und E-Busse. Die wichtigsten Ausgangspunkte: die Gornergrat Bahn direkt gegenüber dem Bahnhof, die unterirdische Standseilbahn nach Sunnegga und die Talstation Matterhorn Express am südlichen Dorfende.
Die schönsten Orte & Sehenswürdigkeiten
- Gornergrat: Die Zahnradbahn von 1898 fährt in 33 Minuten auf gut 3100 Meter. Oben erwartet dich ein Panorama mit dem Matterhorn und dem Gornergletscher. Die Retourfahrt kostet im Sommer ca. 132 CHF (ca. 140 €), im Winter ca. 96 CHF (Stand 2026). Setz dich bergauf auf die rechte Seite.
- Riffelsee: Von der Station Rotenboden sind es etwa zehn Minuten zu Fuß zum See, in dem sich das Matterhorn spiegelt. Die Wanderung vom Gornergrat über den Riffelsee bis Riffelberg dauert rund eine bis anderthalb Stunden. Am frühen Morgen ist das Wasser meist am ruhigsten.
- Matterhorn Glacier Paradise: Die Bergstation auf dem Klein Matterhorn liegt auf 3883 Metern und ist die höchste per Seilbahn erreichbare in Europa. Im Ticket enthalten sind Aussichtsplattform, Gletscherpalast und Cinema Lounge. Retour kostet 2026 je nach Saison ca. 104 bis 132 CHF (ca. 110 bis 140 €). Die Fahrt dauert rund 40 Minuten; wegen der Höhe dürfen Kinder unter drei Jahren nicht bis ganz nach oben.
- 5-Seenweg: Von Blauherd nach Sunnegga führt die rund 10 Kilometer lange Runde an Stellisee, Grindjisee, Grünsee, Moosjisee und Leisee vorbei, Gehzeit etwa 2,5 Stunden. Im Stellisee spiegelt sich das Matterhorn besonders schön. Baden ist nur im Grünsee und im Leisee erlaubt.
- Matterhorn Museum: Unter dem Kirchplatz erzählt das Museum die Geschichte des Dorfes und der Erstbesteigung 1865, bei der vier von sieben Bergsteigern starben. Ausgestellt ist unter anderem das gerissene Seil. Eintritt ca. 12 CHF (Stand 2026); in der Saison meist nachmittags geöffnet.
- Hinterdorf: Im alten Dorfkern stehen dunkle Holzspeicher und Stadel auf Steinplatten, die an das bäuerliche Zermatt erinnern. Ein kurzer Spaziergang, der nichts kostet.
- Skigebiet Matterhorn Ski Paradise: Rund 200 Pistenkilometer in den Bereichen Sunnegga-Rothorn, Gornergrat und Schwarzsee-Matterhorn Glacier Paradise, mit dem internationalen Pass kommen etwa 160 Kilometer in Cervinia und Valtournenche dazu. Auf dem Gletscher wird auch im Sommer Ski gefahren.
Essen & Trinken
Die Walliser Küche ist deftig: Käsefondue, Raclette mit Walliser Raclettekäse, Rösti, Trockenfleisch und Hauswurst. Dazu passen Weine aus dem Wallis. Zermatt ist ein teures Pflaster; ein gutes Abendessen kostet in der Regel ab ca. 60 CHF pro Person (ca. 65 €, Stand 2026).
- Whymper-Stube: Im Hotel Monte Rosa an der Bahnhofstrasse, benannt nach dem Erstbesteiger Edward Whymper. Klassiker sind Käsefondue und Raclette. Mittags gibt es ein Drei-Gänge-Angebot mit Fondue für ca. 39 CHF (Stand 2026). Abends in der Hochsaison früh reservieren.
- Chez Vrony: Bergrestaurant im Weiler Findeln auf etwa 2100 Metern, bekannt für die Terrasse mit Matterhorn-Blick und hausgemachte Spezialitäten wie Trockenfleisch, Hauswurst und Alpkäse. Geöffnet mittags von 11.30 bis 16 Uhr, Reservierung empfohlen.
- Findlerhof: Ebenfalls in Findeln, mit rustikaler Holzstube und zwei Sonnenterrassen. Die Karte mischt Schweizer und italienische Gerichte. Gut kombinierbar mit dem Abstieg vom 5-Seenweg.
Günstiger isst du mit Proviant aus den Supermärkten Coop und Migros im Dorf, deren Fertiggerichte und Sandwiches viele Reisende empfehlen.
Geheimtipps & was Reisende empfehlen
- In Foren raten viele, zuerst den Gornergrat zu machen und früh zu starten, bevor die Züge voll werden. Vor der Fahrt lohnt ein Blick auf die Webcams, denn das Matterhorn verschwindet oft in Wolken.
- Am Klein Matterhorn ziehen laut Forenberichten nachmittags häufiger Wolken auf; geh also bei klarem Himmel lieber vormittags hinauf.
- Statt Retourtickets empfehlen Reiseblogs, am Gornergrat nur bergauf zu fahren und über Riffelsee und Riffelberg abzusteigen.
- Im Alpinforum wird für die Skiwoche empfohlen, im Dorf selbst zu wohnen; Täsch ist zwar günstiger, der tägliche Shuttle-Weg kostet aber Zeit. Als Budget-Alternative wird der Campingplatz in Randa genannt.
- Bei schlechtem Wetter auf italienischer Seite scheint in Zermatt laut Forennutzern oft noch die Sonne, weil sich die Wolken an der Grenze stauen. Umgekehrt gilt der Zermatter Teil wegen seiner Vielfalt als abwechslungsreicher als Cervinia.
- Auf dem Berg nach Tagestellern oder Self-Service fragen, das spart spürbar.
Kosten & Budget
Zermatt gehört zu den teuersten Zielen der Alpen. Richtwerte (Stand 2026, 1 CHF entspricht etwa 1,05 bis 1,10 €):
- Bergbahnen: Gornergrat retour ca. 96 bis 132 CHF, Matterhorn Glacier Paradise retour ca. 104 bis 132 CHF, Sunnegga-Rothorn retour ca. 70 bis 89 CHF. Mit Halbtax, GA oder Swiss Travel Pass zahlst du auf vielen Bahnen die Hälfte.
- Skipass: Tageskarte Zermatt ab ca. 89 CHF, international ab ca. 104 CHF; die Preise sind dynamisch, früh buchen lohnt sich.
- Essen: Abendessen im Restaurant ab ca. 60 CHF, Mittagsangebote ab ca. 39 CHF; Fertiggerichte und Sandwiches aus dem Supermarkt deutlich günstiger.
- Museum: ca. 12 CHF.
- Unterkunft: Hotels im Dorf sind hochpreisig; Ferienwohnungen mit Küche sowie Unterkünfte in Täsch oder Randa sind günstigere Optionen.
Mit Mittelklasse-Hotel, einer Bergbahnfahrt und Restaurantessen solltest du grob mit mindestens 200 € pro Person und Tag rechnen.
Praktische Tipps
- Geld: Landeswährung ist der Schweizer Franken. Karten werden fast überall akzeptiert, Euro nicht immer und dann oft zu ungünstigem Kurs.
- Trinkgeld: Der Service ist im Preis enthalten; Aufrunden oder etwa 5 bis 10 Prozent bei gutem Service ist üblich, aber freiwillig.
- Kleidung: Zwiebelprinzip, auch im Sommer. Auf 3000 bis 3900 Metern kann es selbst im August frostig sein. Sonnenschutz und Sonnenbrille sind wegen Schnee und Höhe wichtig. Auf der Höhe langsam machen.
- Strom: In der Schweiz gibt es Typ-J-Steckdosen. Flache Eurostecker passen, deutsche Schukostecker nicht; nimm einen Adapter mit.
- Internet/eSIM: Die Schweiz ist nicht in der EU, EU-Roaming gilt nicht automatisch. Prüfe deinen Tarif oder nutze eine eSIM.
- Einreise: Die Schweiz gehört zum Schengen-Raum; Deutsche reisen mit Personalausweis oder Reisepass ein.
- Sicherheit: Zermatt gilt als sicher. Die größten Risiken sind alpiner Natur: Wetterumschwünge, Höhe und Gletscher. Hochtouren nur mit Bergführer. Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise findest du beim Auswärtigen Amt.
Fazit
Zermatt ist ideal für alle, die das Hochgebirge ohne Autoverkehr erleben wollen: Skifahrer mit Anspruch an Pistenvielfalt und Schneesicherheit, Wanderer, die Bergseen und Gletscherblicke suchen, und Bahnfans, die mit Zahnradbahn und Glacier Express anreisen. Wer mit kleinem Budget reist, muss rechnen und planen, bekommt dafür aber eine Kulisse, die in den Alpen ihresgleichen sucht.
