Zypern verbindet auf engem Raum vieles, wofür man sonst mehrere Reisen bräuchte: antike Mosaiken und Theater direkt am Meer, Sandstrände im Südosten, kühle Bergdörfer im Troodos-Gebirge und eine Küche, die mit Meze-Tafeln und Halloumi weit über Griechenland hinaus bekannt ist. Die Insel liegt ganz im Osten des Mittelmeers, gehört aber zur EU und zahlt mit dem Euro. Durch die britische Vergangenheit fährst du links, steckst britische Stecker in die Dose und kommst fast überall mit Englisch weiter. Dieser Reiseführer konzentriert sich auf die Republik Zypern im Süden der Insel mit Paphos, Limassol, Larnaka, Ayia Napa und der Hauptstadt Nikosia.
Beste Reisezeit
Die angenehmsten Monate sind April bis Mitte Juni sowie Mitte September bis Oktober. Im April liegen die Höchstwerte um 23 °C, im Mai um 28 °C, im Oktober wieder bei etwa 28 °C – Regen fällt dann nur an wenigen Tagen. Das ist die ideale Zeit für Ausgrabungsstätten, Wanderungen und Rundreisen mit dem Mietwagen.
Juli und August sind sehr heiß: Die Höchstwerte liegen im Schnitt bei 35 °C, im Landesinneren teils deutlich darüber, und Regen gibt es praktisch nicht. Wer nur Strand und Pool plant, kommt damit klar, für Besichtigungen solltest du dann früh morgens starten. Die Sommermonate sind zugleich Hochsaison mit vollen Stränden und höheren Preisen.
Der Winter von Dezember bis Februar ist mild mit Höchstwerten um 17–19 °C, bringt aber die meisten Regentage (bis etwa acht pro Monat). Im Troodos-Gebirge, dessen höchster Gipfel Olympos 1.952 m erreicht, kann dann sogar Ski gefahren werden. Beachte, dass von November bis Februar Jagdsaison ist – Wikivoyage rät, vor allem sonntags und mittwochs bei Wanderungen abseits der Wege vorsichtig zu sein.
Anreise & unterwegs vor Ort
Direktflüge ab Deutschland dauern rund 3 Std. 45 Min. Internationale Flughäfen sind Larnaka (LCA) im Südosten und Paphos (PFO) im Westen – nur über diese beiden ist die Einreise in die Republik legal.
- Larnaka: Stadtbus 425 fährt tagsüber etwa alle 20 Minuten ins rund 6 km entfernte Zentrum. Eine Einzelfahrt kostet bar ca. 2,70 € (Stand 2026), nachts ab 21 Uhr ca. 4,70 €. Mit dem Taxi bist du in etwa 15 Minuten in der Stadt. Nach Nikosia fährt der Kapnos Airport Shuttle, nach Limassol der Limassol Airport Express; ein Taxi nach Ayia Napa kostet laut Wikivoyage etwa 45–55 €.
- Paphos: Die Linien 612 und 613 verbinden den Flughafen für ca. 2 € (Stand 2025) mit der Stadt. Die 612 fährt die Küstenstraße entlang Richtung Tombs of the Kings, die 613 in die Altstadt. Ein Taxi in die Stadt kostete zuletzt mindestens ca. 45 € (Stand 2024).
Vor Ort ist ein Mietwagen die bequemste, aber auch teuerste Art, die Insel zu erkunden. Es gilt Linksverkehr, auf Autobahnen maximal 100 km/h, auf Landstraßen 80 km/h, innerorts 50 km/h; Gurtpflicht besteht auch hinten. Mietfirmen gibt es an beiden Flughäfen, oft mit Mindestmietdauer von drei Tagen, Schaltwagen sind günstiger als Automatik. Überlandbusse verbinden die großen Städte etwa stündlich bis zweistündlich zwischen 6 und 21 Uhr ab ca. 5 €. Stadttaxis fahren mit Taxameter, Grundgebühr ca. 3,80 € tagsüber und 4,80 € nachts plus rund 1 € pro km (laut Visit Cyprus, ohne Datumsangabe). Günstig sind die Sammeltaxis zwischen den Städten, die aber meist schon um 17 oder 18 Uhr ihren Betrieb einstellen.
Die schönsten Orte & Sehenswürdigkeiten
- Archäologischer Park Nea Paphos: Die römischen Villen, allen voran das Haus des Dionysos und die Villa des Theseus, bewahren einige der schönsten Bodenmosaiken des Mittelmeerraums. Geöffnet täglich ab 8:30 Uhr, im Sommer bis 19:30 Uhr, Eintritt ca. 4,50 € (Stand 2026). Komm früh, denn Schatten gibt es kaum.
- Tombs of the Kings (Paphos): In den Fels gehauene Grabanlagen aus hellenistischer Zeit – keine Königsgräber, aber trotzdem beeindruckend. Gut kombinierbar mit dem Archäologischen Park.
- Hafen und Fort von Paphos: Das kleine Kastell an der Spitze der Hafenmole war Festung und Gefängnis; Eintritt ca. 1,70 €.
- Kourion: Die antike Stadt thront auf einer Klippe rund 13 km westlich von Limassol. Das griechisch-römische Theater mit Blick aufs Meer wird bis heute bespielt. Eintritt ca. 4,50 €; die nahe Kreuzritterburg Kolossi kostet ca. 2,50 €.
- Petra tou Romiou: Der Felsen an der Küstenstraße zwischen Paphos und Limassol gilt als Geburtsort der Aphrodite. Die See ist hier oft rau, auf den Felsen zu klettern und dort zu schwimmen wird nicht empfohlen.
- Larnaka: Die Kirche des heiligen Lazarus stammt aus dem 9. Jahrhundert. Am Salzsee steht die Moschee Hala Sultan Tekke, und von etwa November bis März rasten dort Flamingos. Taucher zieht das Wrack der 1980 gesunkenen Fähre Zenobia an.
- Limassol: Rund um Burg und alten Hafen liegt die Altstadt, westlich davon die 2014 eröffnete Marina, östlich die Uferpromenade Molos.
- Ayia Napa: Nissi Beach ist der bekannteste Sandstrand der Insel; Makronissos ist oft etwas ruhiger. Am Kap Greco locken Meereshöhlen, die du zu Fuß oder per Boot erreichst.
- Nikosia und Troodos: In der geteilten Hauptstadt ist die Ledra-Straße die traditionelle Einkaufsmeile. Im Troodos-Gebirge warten Bergdörfer und frische Luft – ideal als Ausweg aus der Sommerhitze.
Essen & Trinken
Das Herzstück der zyprischen Küche ist das Meze: viele kleine warme und kalte Gerichte, mal mit Fleisch, mal mit Fisch, die nacheinander auf den Tisch kommen. Dazu gehören gegrillter Halloumi aus Ziegen- und Schafsmilch, Taramosalata und Kleftiko, im Ofen geschmortes Lamm. Als Straßenessen sind Souvlaki und Sheftalia beliebt. Zum Abschluss probierst du den süßen Dessertwein Commandaria oder den kräftigen Tresterbrand Zivania.
Empfehlenswerte, etablierte Adressen:
- Militzis (Larnaka): Familienbetrieb, dessen Wurzeln bis in die 1930er Jahre reichen; bekannt für Kleftiko aus dem Steinofen. Hauptgerichte laut Wikivoyage ca. 15–20 €.
- Meze Taverna (Limassol): Traditionelle Taverne in der Agiou-Andreou-Straße mit Fleisch-, Fisch- und vegetarischem Meze; sonntags geschlossen, Reservierung ratsam.
- Piatsa Gourounaki (Nikosia): Souvlaki-Lokal in der Altstadt, Hauptgerichte ca. 6–8 €, Pita ca. 3–4 €.
Ein Tipp aus Wikivoyage: Meide die bunten Touristencafés an den Promenaden und such dir Lokale, in denen Einheimische essen.
Geheimtipps & was Reisende empfehlen
- Für Nissi Beach raten Reisende in der Hochsaison, sehr früh zu kommen, weil der Strand schnell voll wird. Makronissos gilt als Alternative.
- Autofahren: Die Autobahnen sind in sehr gutem Zustand, Nebenstraßen dagegen unterschiedlich. Auf Wikivoyage wird der Fahrstil vieler Einheimischer als aggressiv beschrieben – fahr defensiv.
- Wer in Paphos authentischer essen will, fährt in die umliegenden Dörfer; dort wird die Atmosphäre oft als ursprünglicher beschrieben.
- Sammeltaxis sind günstig, aber rechtzeitig planen: Die letzten Fahrten gehen am späten Nachmittag.
- In Ayia Napa öffnen die Clubs rund um den zentralen Platz meist erst nach 1 Uhr nachts.
Kosten & Budget
Zypern ist kein Billigziel, bleibt aber unter westeuropäischem Niveau bei Nahverkehr und Eintritten. Richtwerte (Stand 2025/2026):
- Essen: Souvlaki-Teller ca. 6–8 €, Fisch-Meze in einer Taverne ca. 21 € p. P., Steak um 20 €, Bier ca. 3–3,50 €.
- Transport: Stadtbus in Larnaka/Nikosia ca. 2,70 € bar (mit Karte 2 €), in Paphos ca. 2 €; Überlandbus ab ca. 5 €; Mietwagen je nach Saison und Kategorie.
- Eintritte: Nea Paphos und Kourion je ca. 4,50 €, Kolossi ca. 2,50 €, Fort Paphos ca. 1,70 €.
- Unterkunft: Hostel-Betten in Larnaka ab ca. 20 € pro Nacht; daneben Ferienwohnungen und viele Strandhotels in allen Preisklassen.
Praktische Tipps
- Geld: Kreditkarten (vor allem Visa und Mastercard) werden in Städten und Urlaubsorten breit akzeptiert. Beim Bezahlen mit Karte im Ausland können Gebühren deiner Bank anfallen.
- Trinkgeld: Liegt im Ermessen des Gastes, wird in Restaurants und Hotels aber gern gesehen.
- Etikette: Zyprer kommunizieren meist direkt. Die Teilung der Insel ist ein sensibles Thema – sprich respektvoll darüber. Für die Sommerhitze leichte Kleidung, Sonnenschutz und Kopfbedeckung einpacken.
- Strom: Es werden britische Stecker vom Typ G (drei eckige Stifte) verwendet. Nimm einen Adapter mit.
- Internet: Da Zypern zur EU gehört, lohnt ein Blick in deinen Tarif, bevor du extra eine eSIM kaufst. Die Ländervorwahl ist +357.
- Sicherheit: Zypern gilt als sehr sicheres Reiseland mit niedriger Kriminalität. Der Norden der Insel steht nicht unter Kontrolle der Republik Zypern; die Grenze (Grüne Linie) darf nur an offiziellen Übergängen wie der Ledra-Straße in Nikosia überquert werden. Die dortigen Regeln können sich ändern – informiere dich vor der Reise beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit über aktuelle Einreise- und Sicherheitshinweise.
Fazit
Zypern ist ideal für alle, die Strandurlaub mit Kultur verbinden möchten: Mosaiken in Paphos, antikes Theater in Kourion, Bergdörfer im Troodos und abends ein ausgiebiges Meze. Im Frühjahr und Herbst eignet sich die Insel besonders für Rundreisen mit dem Mietwagen, im Hochsommer vor allem für entspannte Badeferien. Wer die Hitze im Juli und August meidet, erlebt Zypern von seiner angenehmsten Seite.
